Warum Prosumer die Beschaffungskosten erhöhen

Motivation

Prosumer sind bereits heute ein relevanter Teil jedes Stadtwerk-Portfolios. Rund 4,8 Millionen Haushalte in Deutschland haben eine PV-Anlage (ca. 15%), gut 1,9 Millionen eine Wärmepumpe (ca. 5%). Beide Technologien haben sich in den letzten fünf Jahren mehr als verdoppelt. [1-3]

Bislang wird dieser Kundentyp wie jeder andere Haushalt behandelt: Abrechnung per Standardlastprofil und pauschale Beschaffung. Das ändert sich mit dem Smart-Meter-Rollout, da Smart-Meter-Kunden mit ihrem tatsächlichen Profil beschafft werden müssen.
Daraus folgt eine zentrale Frage: Was kostet die Beschaffung des Prosumer-Profils und welchen Einfluss hat das auf die Tarifgestaltung von Stromvertrieben?

Warum Prosumer in der Beschaffung teurer sind

Prosumer haben strukturell andere Lastprofile als klassische Haushalte, und diese korrelieren ungünstig mit den Börsenstrompreisen. Eine Wärmepumpe erhöht den Strombedarf an kalten Wintertagen, wenn Strom an der Börse teuer ist. Eine PV-Anlage reduziert den Strombedarf an sonnenreichen Sommertagen, wenn Strom günstig ist. Prosumer beziehen also überproportional viel Strom in teuren Stunden und unterdurchschnittlich viel in günstigen.
embee hat die Beschaffungskosten für vier Haushaltstypen auf Basis realer Day-Ahead-Preise aus 2025 berechnet. Abbildung 1 zeigt, dass eine PV-Anlage den durchschnittlichen Beschaffungspreis von 9,0 auf 11,3 ct/kWh steigert, eine Wärmepumpe auf 9,8 ct/kWh. Eine Kombination von PV und Wärmepumpe führt zu Beschaffungskosten von 11,4 ct/kWh. Die Analyse zeigt, dass sich die jeweiligen Effekte teils kompensieren und nur geringfügig addieren.

Beschaffungskosten verschiedener Haushaltstypen

36% weniger Marge beim Prosumer

Vom durchschnittlichen Haushaltsstrompreis 2025 von 39,3 ct/kWh (Quelle: BDEW) sind 23,5 ct/kWh durch Netzentgelte, Steuern und Abgaben gebunden und für den Lieferanten nicht beeinflussbar. Die verbleibenden 15,7 ct/kWh stehen für Beschaffung und Vertriebsmarge zur Verfügung.
Heute werden klassische Haushalte und Prosumer in der Regel mit dem gleichen Haushaltsstrompreis gepreist. Auf dieser Grundlage führen die höheren Beschaffungskosten zu einer bis zu 36% niedrigeren Vertriebsmarge bei den Prosumern.

Beschaffungskosten und Vertriebsmarge verschiedener Haushaltstypen

Solange Prosumer per SLP abgerechnet werden, bleibt dieser Effekt unsichtbar. Mit dem Smart-Meter-Rollout wird er jedoch wirksam und beeinflusst das Ergebnis von Stadtwerken und Lieferanten.

Implikationen

Stromvertriebe entwickeln ein strukturelles Margenproblem, das mit wachsendem Prosumer-Anteil im Kundenstamm zunimmt. Die entscheidende Frage ist nicht ob, sondern wann und in welchem Ausmaß dieser Effekt das eigene Portfolio trifft.
Zwei Handlungsfelder bieten sich an:
Transparenz schaffen. Der erste Schritt ist die Quantifizierung der tatsächlichen Beschaffungskosten im eigenen Portfolio. Welche Kunden haben welche Anlagen? Welche Mehrkosten entstehen heute schon?
Tarife anpassen. Jedem Kunden sollte ein passender Tarif angeboten werden, der sowohl von Kundenseite als auch von Vertriebsseite sinnvoll und nachhaltig ist. Dabei sollten dynamische Tarife und die Nutzung flexibler Kundenanlagen berücksichtigt werden.

Methodik

Betrachtet wurde ein exemplarischer Haushalt in Süddeutschland mit einem Jahresstromverbrauch von 3.600 kWh in vier Varianten: klassischer Haushalt, Haushalt mit PV (8 kWp, Ost-West), Haushalt mit Wärmepumpe (4.000 kWh/Jahr) sowie die Kombination aus PV und Wärmepumpe. Abbildung 3 zeigt den Day-Ahead-Strompreis (rechte Achse, ct/kWh) sowie den Netzbezug der verschiedenen Haushaltstypen (linke Achse, kW). Die Grafik ist interaktiv, so lässt sich untersuchen, wie das Prosumer-Verhalten den Netzbezug beeinflusst und wie dieser Effekt mit den Strompreisen korreliert.

Day-Ahead-Strompreis und Netzbezug verschiedener Haushaltstypen

Die Residuallastprofile wurden mit dem embee HEMS-Modell für 2025 erstellt. Das Modell kombiniert ein PV-Modell auf Basis von Solareinstrahlung und Temperatur, ein Wärmepumpenmodell auf Basis von Gebäudedaten und Außentemperatur sowie das H0-Standardlastprofil des BDEW für den klassischen Haushaltsstromverbrauch [5]. Die Beschaffungskosten wurden durch Verrechnung der Residuallastprofile mit dem Day-Ahead-Preis ermittelt .
Wie stark Ihr Portfolio und Ihre Beschaffungskosten heute und zukünftig von Prosumern beeinflusst wird, lässt sich mit den embee-Modellen quantifizieren.

Quellen

[1] Destatis (Abgerufen 24.3., URL: https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2026/03/PD26_N017_43.html)
[2] Bundesverband Wärmepumpe e.V. – Branchenstudie 2025
[3] Waermepumpe.de (Abgerufen: 24.3, URL: https://www.waermepumpe.de/presse/news/details/ueber-50-prozent-im-plus-waermepumpen-absatz-steigt-2025-deutlich/)
[4] BDEW Strompreisanalyse (Abgerufen: 24.3, URL: https://www.bdew.de/service/daten-und-grafiken/bdew-strompreisanalyse/)
[5] BDEW H0-Profil (Abgerufen: 24.3, URL: https://www.bdew.de/energie/standardlastprofile-strom/)

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