Motivation
Für die Bilanzierung von Stromkunden ohne Smart-Meter werden Lastprofile verwendet. Diese Lastprofile werden durch den Verteilnetzbetreiber festgelegt. Historisch haben Standardlastprofile wie das H0-Profil des BDEW sehr gut funktioniert. Durch die starken Veränderungen auf der Kundenseite wird das zunehmend ungenauer. Langfristig wird das durch den Smart-Meter-Rollout gelöst, kurzfristig entstehen jährliche Kosten von über 100 Mio. € in Deutschland.
Analyse
Für die Analyse wurden die Differenzbilanzkreise von 35 Verteilnetzbetreibern in Deutschland analysiert, die ~26,6 Mio. Zählpunkte, d.h. ~52% des Netzgebietes in Deutschland abdecken. Es wurden ausschließlich Netzbetreiber analysiert, die nach dem synthetischen Verfahren bilanzieren, über 100.000 Zählpunkte haben und eine ausreichende Datenqualität in den Veröffentlichungspflichten haben.
Die Analyse basiert ausschließlich auf den veröffentlichten Differenzbilanzkreis-Zeitreihen. Weiterhin wurde für die Kostenberechnung eine vollständige Spotmarktbeschaffung unterstellt. In der Realität liegen die Kosten höher, da ein relevanter Teil des Differenzbilanzkreises in die Ausgleichsenergie läuft.
Ergebnis
Die Kernergebnisse der Analyse:
Wenn man die relativen Werte auf die ~50 Mio. Zählpunkte in Deutschland hochrechnet, kommt man auf ~ 16 TWh Abweichung und ~ 115 Mio. € kosten. Einige Netzbetreiber bewirtschaften jedoch keinen Differenzbilanzkreis, in diesem Fall werden Mengen und Kosten direkt auf die Lieferanten umgelegt.
Die einzelnen Verteilnetzbetreiber unterscheiden sich stark. Die folgenden Diagramme zeigen anonymisiert Mengen und Kosten der 35 untersuchten Verteilnetzbetreiber.
Jährliche Defizit- und Überschussmenge im Differenzbilanzkreis je VNB (kWh pro Zählpunkt)
Die Defizitmengen reichen von nahe Null bis zu 313 kWh pro Zählpunkt und Jahr, die Überschussmengen von Null bis zu 470 kWh pro Zählpunkt und Jahr. Defizitmengen müssen am Spotmarkt beschafft werden, führen also bei positiven Strompreisen zu Kosten. Überschussmengen werden am Spotmarkt verkauft und führen bei positiven Strompreisen zu Erlösen. Bei einer vollständigen Spotmarktbeschaffung der Differenzbilanzkreis-Zeitreihen ergeben sich folgende Kosten:
Beschaffungskosten der Differenzbilanzkreis-Zeitreihe je VNB (€ pro Zählpunkt)
Die untersuchten Netzbetreiber variieren zwischen Kosten von 18 €/ZP bis zu Erlösen von 17 €/ZP. Die Unterschiede zwischen den Verteilnetzbetreibern haben zum einen strukturelle Gründe, d.h. der Anteil an PV/Wärmepumpen/EV im Netzgebiet sowie sonstiger Störfaktoren. Weiterhin sind aber auch eine gute Stammdatenqualität und die verwendeten Lastprofile entscheidend. Je besser die Stammdatenqualität und je genauer die Lastprofile zum Netzgebiet passen, desto geringer der Differenzbilanzkreis und damit das Kostenrisiko. Aufgrund von Wettereinflüssen und einer Veränderung der Kundenstruktur gibt es erhebliche Abweichungen zwischen den Jahren.
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